Alles richtig gemacht – und trotzdem in die Karriere-Sackgasse geraten
Trainiere fleissig, bleibe geduldig, werde nie aufmüpfig, und wenn du zum Zuge kommst, stoppe einfach die Pucks. Lob und Preis und eine schöne Karriere sind dir dann gewiss. So einfach gestrickt scheint ein Goalie-Schicksal. Alles klar?
Nein, nichts ist klar. Hockey ist eben doch ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage. Luis Janett (25) trainiert fleissig, ist geduldig und nie aufmüpfig. Wenn er zum Einsatz kommt, stoppt er die Pucks mindestens so geschickt wie Harri Säteri, die Nummer 1, aus deren Schatten er nicht herauskommt. Alles richtig gemacht.
Aber er muss trotzdem um seine Karriere in der höchsten Liga bangen. Luis Janett wechselt im Sommer 2024 nach Biel. Obwohl er nur zu einem einzigen Junioren-Länderspiel aufgeboten worden ist, gilt er mit 24 Jahren als eines der besten helvetischen Talente. Bei Thurgau hat er sich im Erwachsenenhockey bewährt. Stil und Postur mahnen an Klotens legendären vierfachen Meistergoalie Reto Pavoni.
Die Karriere-Planung ist logisch: In Biel neben Harri Säteri zu einer Nummer 1 reifen. Immerhin ist der Finne zu diesem Zeitpunkt bereits 34 Jahre alt und im Herbst seiner Karriere. Der Spieler, der Sportchef und der Agent denken, aber die Hockeygötter lenken. In unsicheren Zeiten setzen Trainer und Management gerade auf der Goalie-Position dann doch lieber auf die grossen Namen und scheuen das Risiko. Dann weiss man, was man hat. Wenn der Trainer die Wahl hat zwischen dem Weltmeister und Olympiasieger von 2022 und der ehemaligen Nummer 1 beim HC Thurgau aus der Swiss League – dann entscheidet er sich halt für den Weltmeister und Olympiasieger.
Und die Zeiten sind in Biel unsicher. Der Finalist von 2023 steht im Umbruch. Im Juli 2025 verlängert Sportchef Martin Steinegger mit Harri Säteri vorzeitig bis 2027. Er wird auch nächste Saison eine Ausländerlizenz für den Torhüter opfern, und dadurch ist die Position des finnischen Schlussmannes wirtschaftlich und klubpolitisch zementiert. Obwohl er im Dezember bereits 37 Jahre wird.
Was uns zur Frage führt: Wo wäre Biel eigentlich mit sechs ausländischen Feldspielern und Luis Janett plus einem zweiten Schweizer im Tor? Möglicherweise in der Tabelle eher weiter oben als weiter unten. Die letzten acht Partien sind interessant. Mit Harri Sätteri verlieren die Bieler in Bern, gegen Lausanne, in Zug und in Zürich. Mit Luis Janett gewinnt Biel in Rapperswil-Jona nach Penaltys, gegen Servette und Lugano. Am letzten Samstag setzte es eine 0:4-Niederlage in Langnau ab. Er ist zuletzt nur zweimal hintereinander zum Zuge gekommen, weil Harri Säteri krankheitshalber passen musste.
Der finnische Olympiasieger und Weltmeister hat diese Saison 11 von 27 Partien gewonnen. Luis Janett 5 von 9 und weist damit ganz klar die höhere Erfolgsquote auf.
Aber der ehemalige Kloten-Junior weiss bereits, dass er in Biel keine Zukunft hat (neu kommt Viktor Östlund, 33, als Nummer 2) und alle Torhüterpositionen sind in der National League für nächste Saison bereits vergeben. Es war damals für Maria und Josef einfacher, in der Weihnachtsnacht eine Unterkunft zu finden, als jetzt für Luis Janett einen Job in der höchsten Liga.
Er beklagt sich nicht über die verfuhrwerkte Situation. Er erklärt, ein wenig scheu, wie Goalies oft sind, es gebe nichts zu klagen. Sportchef Martin Steinegger habe ihn offen und korrekt darüber informiert, dass es keine Vertragsverlängerung gebe.
Die tapfere Haltung eines mental «unzerstörbaren» Musterprofis. Biels Sportchef ist mit ihm zufrieden und erklärt plausibel, warum es nicht zu einer Vertragsverlängerung gekommen ist. «Er wollte mehr Einsätze, als wir ihm zugestehen können. Das kann ich verstehen. So sind wir übereingekommen, den Vertrag nicht zu verlängern.»
Als Besonderheit kommt dazu: Biel zelebriert «Spengler- Cup-Hockey». Das Spektakel wird zwar meist vor dem gegnerischen Tor aufgeführt und der eigene Torhüter bekommt nicht überdurchschnittlich viel zu tun. Aber die Defensivorganisation ist kreativ statt stabil und der Goalie kommt zu oft in unhaltbare Situationen. In Langnau hielt Luis Janett am letzten Samstag grandios, war aber gegen die Tore (Direktschüsse) einfach machtlos. Biel ist ein Team, das seine Goalies «verheizt». Umgekehrt ist Langnau mit seiner defensiven Stabilität ein Team, das jeden Torhüter besser macht.
Was nun? Die dem Hockey innewohnende Unberechenbarkeit ist die Chance für Luis Janett. Wer hätte denn gedacht, dass Sandro Zurkirchen, den Kloten und auch sonst niemand mehr wollte, auf einmal Ende Mai 2025 im Alter von 35 Jahren eine Chance beim grossen SCB bekommt, der zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung bereits drei Torhüter (Andri Henauer, Christof von Burg, Adam Reideborn) unter Vertrag hatte?
Dass Luis Janett für die höchste Liga taugt, hat er in Biel hinlänglich bewiesen. Er gewann auch letzte Saison – seiner ersten in der National League – in Biel 5 von 10 Partien. Dass sich das Risiko lohnen kann, auf Goalies aus der Swiss League zu setzen, beweisen diese Saison Langnau (mit Robin Meyer) oder Kloten (mit Davide Fadani) eindrücklich.
Luis Janett bleibt nur die Hoffnung auf den nächsten «Fall Zurkirchen». Wenn er sich auch ohne Vertrag im Sommer sorgfältig vorbereitet, kann er davon ausgehen, dass er noch vor der Weihnachtspause 2026 eine nächste Chance in der National League bekommen wird.
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